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Interview mit Assistenzarzt Sebastian

zitat sebastian

Da uns der Austausch mit anderen Berufsgruppen sehr wichtig ist, haben wir Sebastian zum Thema „Physician Assistant“ interviewt. Sebastian ist Assistenzarzt in der Neurologie und hat bereits mit einigen Physician Assistants zusammen gearbeitet.

Welchen Beruf hast Du erlernt und als was arbeitest Du? Arbeiten in deinem Team PAs?

Ich habe Medizin studiert und bin Assistenzarzt in der Facharztweiterbildung für Neurologie. Aktuell arbeiten vier PAs in unserer Abteilung neben 9 Assistenzärzten.

Hast Du das Berufsbild des Physician Assistant schon vor der Aufnahme deiner jetzigen Tätigkeit gekannt?

Ja, bereits in meiner Famulatur in der Neurochirurgie habe ich eine PA-Studentin kennengelernt, die dort ihren Praxiseinsatz hatte. Das war so ca. 2017. Abgesehen davon hatte ich, da das Krankenhaus in dem ich mein PJ gemacht habe und später angefangen habe zu arbeiten Kooperationskrankenhaus einer Hochschule ist, regelmäßigen Kontakt mit festangestellten PAs und Studentinnen gehabt.

Was ist Deine Meinung zum PA, welche Erfahrungen hast Du mit dem PA gemacht?

Ich denke, dass der PA eine gute Brücke bilden kann. Es gibt aktuell zu wenig gut ausgebildete Mediziner, die die erforderlichen Stellen besetzen können, zudem sind Teilzeitmodelle sowie Anpassungen über die tarifliche Arbeitszeit und das Arbeitszeitschutzgesetz verbreiterter, sodass die besetzten Stellen nicht unbedingt für die notwendige Arbeit ausreichen. Dementsprechend ist es einfach sinnvoll, dass ein weiterer medizinischer Beruf mit erweiterten Kenntnissen aber auch Befugnissen und Verantwortungen bestimmte Bereiche der stationären oder ambulanten Versorgung übernehmen bzw. ergänzen.Meine Erfahrungen waren bisher gemischter Natur, ähnlich wie in jedem Beruf kommt es ganz auf den individuellen Menschen an, mit dem man in Kontakt kommt, ob dieser einen kompetenten Eindruck für das Berufsbild des PAs hinterlässt. Von hochmotivierten und engagierten Studenten bis zu denjenigen, die das Studium nur als Übergangs- oder Notlösung ansehen und dementsprechend auch nur das tun, was unbedingt notwendig ist kann man alles finden. Das heißt aber nicht, dass mein Eindruck sich damit von dem was meine eigenen Kommilitonen in der Medizin hinterlassen groß unterscheidet.Welche Vor- und Nachteile siehst Du?Ich denke, ein struktureller Vorteil eines Medizinstudiums ist eben die längere Zeit, die man sich mit dem Stoff und den verschiedensten Gebieten der Medizin auseinandersetzt, sodass meistens im Vergleich zum PA eine breitere theoretische Basis vorhanden ist. Das heißt aber nicht, dass ich einem PA unterstellen würde, weniger kompetent zu sein. Es kommt auf die strukturellen Gegebenheiten der jeweiligen Hochschule/Universität sowie die individuellen Fähigkeiten an. Wenn in dieser Form eine gute Basis angelegt wird, kann man über die eigentliche Berufserfahrung sowie weitere Fortbildung nur noch besser werden, was auch von jedem genutzt werden sollte.Eine Diskussion innerhalb der PA-Gemeinschaft, ob eine Vorausbildung unbedingt Voraussetzung für ein Studium sein soll, finde ich relativ sinnbefreit. Gewisse praktische Fähigkeiten können in einer vorherigen Ausbildung gelernt worden sein und auch das fortgeschrittene Alter spricht für eine weitere Reife der Persönlichkeit. Aber ob ich erst eine Ausbildung und Berufserfahrung in einem Bereich sammeln muss, der nicht deckungsgleich mit meiner späteren Arbeit sein muss oder ob ich früher in meinen Berufszweig starte und dort mehr Zeit habe, fachspezifische Erfahrungen zu sammeln, kann aus meiner Sicht keine Grundlage für eine Entscheidung sein, PAs in jene mit und ohne Vorausbildung zu unterscheiden. Es kommt auf die jeweilige Eignung an; in dem Sinne ist die Qualität der Arbeit und die Bereitschaft, Neues zu lernen wichtiger als irgendwelche Qualifikationen, die keinen wesentlichen Effekt darauf haben müssen.Ein Nachteil den ich auch praktisch erlebe ist, dass Dienste (Spät oder Nacht, am Wochenende) nicht unbedingt von PAs mitgetragen werden können, sodass sich die Dienstlast auf weniger Ärzte verteilt. Das ist aber kein Problem des Berufsbildes, sondern dass es zu wenig Ärzte gibt.Ein weiterer Nachteil ist, dass das PA-Studium sich aktuell noch in der Phase der Definition der eigenen Identität befindet. Was darf man als PA? Was sollte man könne? Was gehört verbindlich zu den Inhalten des Studiums, die jeder theoretisch und praktisch in verbindlichen Standards beherrschen sollte?

Welche Qualifikationen sind Deiner Meinung nach wichtig für den PA?

Grundsätzlich Dinge, die jeder Personaler oder Ausbilder wichtig finden sollte. Aufgeschlossenheit für Neues, Motivation, Zuverlässigkeit und eine positive Fehlerkultur. Zusätzlich sollte der Wille gefunden werden, sich für den jeweiligen Fachbereich fortzubilden und sein Wissen nicht auf dem Stand des Studiums zu belassen; in den meisten Fällen wird einfach die Zeit fehlen um ein umfassendes Verständnis der diversen Krankheitsbilder zu erlangen, was aber eben auch gar nicht in dem Umfang in der Art eines Medizinstudiums schaffbar ist.

Gibt es etwas, dass Du dir für das Berufsbild des PA wünschst?

Weniger Diskussionen welche Berufsgruppe mit welcher Erfahrung besser geeignet ist und mehr interdisziplinäre Zusammenarbeit im Sinne der wichtigsten Menschen in der Medizin: der Patient.

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