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Tattoos im Krankenhaus

Tattoos im Krankenhaus

Tattoos im Krankenhaus sind heutzutage doch kein Problem mehr oder? Auf was es ankommt und worauf man unbedingt achten sollte, verrät Euch Victoria.

Victoria studiert im zweiten Semester Physician Assistance in Berlin und arbeitet seit Oktober 2019 dort an einer großen Klinik. Sie ist 35 Jahre alt und hat in ihrem Ausbildungsberuf als Pharmazeutisch-technische-Assitentin bereits einige Stationen durchlaufen. Von der öffentlichen Apotheke, über pharnazeutische Entwicklung in der Industrie bis hin zum Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen reicht ihre Berufserfahrung. Nebenbei war sie 10 Jahre lang als freie Autorin für Deutschlands älteste Tattoozeitschrift – das Tätowiermagazin – tätig. 

Sie lässt sich bereits seit ihrem 14. Lebensjahr tätowieren und so begann damals die Faszination, welche sie in dem Alter dennoch niemandem weiter empfehlen würde.

Du bist an mehrere offensichtlichen Stellen tätowiert und arbeitest seit mehreren Jahren im Krankenhaus, hattest du vor Beginn Angst, dass die Tätowierungen ein Problem darstellen könnten? 

Nein, da ich schon sehr lange großflächig tätowiert bin damit in meinem Berufsleben glücklicherweise sehr selten Probleme hatte. Für mich sind die Tätowierungen zu einem Teil von mir geworden und ich nehme sie gar nicht mehr so sehr wahr. Klar, wurde ich auch am Anfang etwas getuschelt und man wird oft dazu befragt, aber wenn man zuverlässig im Job ist und sich gut in ein Team einfügt, dann werden die Tattoos schnell nebensächlich.

Wurdest du in der Klinik auf deine Tattoos mal angesprochen und wir war die Reaktion? 

Ich wurde seltener angesprochen als noch vor 5 Jahren. Ich denke Tätowierungen sind mittlerweile fester Bestandteil in unserer Gesellschaft. Das hat (manchmal leider) nicht mehr viel mit Rebellion und Individualität zu tun. Jeder Zehnte ist in Deutschland mittlerweile tätowiert. Wobei es hier gravierende Unterschiede gibt. Ich unterscheide zwischen ein Tattoo haben (zum Beispiel eine Kleinigkeit am Handgelenk o.ä.) und tätowiert sein (sichtbar und großflächig). Dennoch werde ich hier und da auch in der Klinik angesprochen, aber dann auch eher auf die gute Qualität meiner Tätowierungen, was mich sehr freut. Ich nehme trotzdem an, dass sich der eine oder die andere immer mal ihren Teil denken. 

Gab es auch mal negative Kommentare und wie bist du damit umgegangen? 

Manchmal bin ich mir nicht ganz sicher, ob mir eine gewisse Kompetenz im ersten Moment abgesprochen wird, aber das kann einem leider heutzutage immer noch nur aufgrund des weiblichen Geschlechts passieren. An ein Erlebnis aus der Apotheke erinnere ich mich noch sehr gut. Da wollte ein älterer Herr nicht von so etwas „Widerwärtigem“ wie mir bedient werden. Normalerweise bin ich sehr schlagfertig, aber in dem momentan kamen mir vor Wut die Tränen. Niemand hat das Recht einen anderen Menschen aufgrund seines Aussehens so abzuwerten.

Glaubst du Patienten nehmen dich anders war? 

Den Eindruck habe ich sehr selten, vielleicht im ersten Moment. Wir haben schon lange eine Patientinnen-Mutter die strenge Muslime ist, sie sagt immer, sie hätte die Tattoos nie wirklich gesehen, sondern eher die Fürsorge und das was unter der bunten Haut steckt. 

Gibt es Stellen die in der Klinik nicht tätowiert sein sollten oder sogar verboten sind?

Ich wüsste keine und mir wäre dazu auch keinerlei Verbot bekannt. An unserer Klinik gibt es viele Tätowierte Kolleg:innen, in allen Berufsgruppen. 

Gibt es stellen oder Motive von denen zu abrätst? 

Natürlich rate ich von nationalsozialistischen Motiven ab bzw. von nationalsozialistischen Menschen als solche. Das ist sogar strafbar und absolut indiskutabel. Generell rate ich dazu nicht zu früh anzufangen, ich bereue immer noch die ein oder andere Jugendsünde. 

Hast du bei dir oder Freund:innen mal erlebt, dass Tattoos im Bewerbungsprozess relevant waren und darf der Arbeitgeber danach fragen oder es als Entscheidungskriterium nennen? 

Ich habe mich mal bei einer Dermokosmetikfirma beworben und wurde mit an mit Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit deshalb nicht genommen. Aber ich denke, es darf einem niemand sagen, dass man deshalb nicht genommen wird. Ich empfinde das als diskriminierend, weil es rein gar nichts mit meiner Arbeitsleistung zu tun hat. Tattoos sind meines Erachtens nach längst raus aus der Schmuddelecke, dennoch habe ich schon Geschichten gehört, bei denen Bewerber:innen deswegen eine Absage erhielten.

Hast du noch allgemeine Tipps zu Tattoos in der Klinik oder möchtest noch etwas sagen?

Ich kann nur dazu raten nicht zu früh anzufangen und nicht zuerst mit Stellen wie Hals oder Hände zu beginnen. Jede:r gute Tätowierer:in würde davon abraten. Außerdem muss man sich diese Stellen eigentlich erst verdienen. Viele Tätowier:innen lehnen dies ab, bevor nicht bspw. 70% des Körper tätowiert sind. Ansonsten ist es immer gut ganz offen damit umzugehen. Egal ob bunt oder blank, es entscheidet nicht darüber wer seinen Job gut macht, teamfähig oder emphatisch ist.

Du möchtest mehr Interviews mit Victoria lesen? Dann schau mal hier vorbei.

Ein Kommentar

  • Ich finde, das bleibt jedem selbst überlassen. An Ohrringen stört sich ja auch keiner. Ein schönes Watercolor Tattoo auf dem Arm kann ja auch gut als Gesprächsthema fungieren. Ein Maori Tattoo oder egal welches, sagt ja nichts über die Kompetenz aus. Ich bin jedenfalls absolut dafür!

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