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Was macht eigentlich ein Physician Assistant in …. Allgemein und Unfallchirurgie ?

Helena war so nett und hat sich unseren Fragen gestellt.Das Interview über ihren Berufsalltag findet Ihr unten.Fragen zum Interview oder an Helena könnt Ihr gerne in die Kommentare schreiben !

Warum hast du dich für das PA Studium entschieden?

Nach dem Abi wollte ich gerne studieren, da mein Abiturschnitt nicht für das Medizinstudium ausreichend war, habe ich nach anderen Möglichkeiten gesucht im Gesundheitswesen zu arbeiten bzw. ein Studium in diesem Bereich zu absolvieren. Durch Zufall habe ich in einer Zeitschrift über das neue Berufsbild PA gelesen. Die Aufgaben des Berufsfeldes haben mich sehr angesprochen, weshalb ich mich letztendlich für das Studium entschieden habe.

An welcher Universität/Fachhochschule hast du studiert und warst Du mit dem Studium zufrieden?

Ich habe an der Fliedner Fachhochschule in Düsseldorf studiert. Zu Beginn war ich war eher unzufrieden, die Vorlesungen erinnern an Schulunterricht, zudem gibt es dort viel Gruppenarbeiten mit Erstellung von Plakaten, solche Arbeiten fand ich in der Schulzeit schon immer ätzend. Zu Beginn des Studiums war mir ebenfalls nicht bewusst, wie unbekannt und neu das Berufsbild in den Krankenhäuser ist, und man sehr viel Eigenarbeit leisten muss, dass das Berufsbild und man selbst akzeptiert wird. Die Enge Kommunikation zwischen den Dozenten und den Studiengangsleitern hat mir jedoch sehr zugesagt, sie waren immer offen für Kritik und neue Anregungen. Ich denke, dass dies bei größeren Universitäten nicht der Fall ist.

Fühlst du dich gut vorbereitet auf Deine jetzige Tätigkeit?

Die wichtigsten Dinge im Stationsalltag wie Nadeln legen, Blut abnehmen und Drainagen ziehen habe ich bereits während der Praktika im Studium gelernt. Allgemein/-Visceral und Unfallchirurgie haben wir im Studium ausreichend behandelt, sodass mir die wichtigsten Krankheitsbilder schon vertraut werden. Jedoch habe ich mir viele Dinge während der Arbeit angeeignet, gerade was Anatomie angeht, dies wurde während des Studiums nur „grob“ behandelt.

Welche Inhalte hättest Du Dir noch gewünscht?

Da ich in der Unfallchirurgie arbeite, hätte ich mir einen Gipskurs gewünscht, ich denke dies wäre für jeden PA sinnvoll. Ebenfalls hätte ich gerne eine Vertiefung in EKG lesen und Sono gehabt, beides wurde nur kurz in 2 Stunden behandelt.Sinnvoll wären ebenfalls die wichtigsten Laborparameter gewesen und was sie aussagen, da die Laborwerte in der Praxis für vieles Ausschlaggebend sind. Auch im Bereich Pharmakologie hätte mir gerne mehr für die Praxis gewünscht welche Medikamente werden als Standard für welches Krankheitsbild eingesetzt..?

Wie kamst Du zu Deiner aktuellen Stelle und wie war der Start ins Berufsleben? Nach dem Studium wollte ich wieder in die Heimat zurück. Ich hab eine Initiativbewerbung geschrieben, an ein Krankenhaus von dem ich bereits im Vorfeld wusste, das dort PA arbeiten. Nach einer Woche Hospitation hatte ich die Stelle. Da mein Chefarzt sehr überzeugt von PA ´s ist und in meinem Team schon zwei PAs arbeiten, hatte ich keine Probleme mit der Akzeptanz des Berufsbildes. Die beiden anderen PA hatten bereits eine Ausbildung als Gesundheits-und Krankenpflegerinnen gemacht und anschließend das Studium absolviert. Die Praktika der beiden fanden in der Abteilung in der sie jetzt arbeiten statt, weshalb Sie nach dem Studium schon perfekt auf alles vorbereitet waren. Bei mir was das etwas anderes, zu Beginn mussten sich erstmal alle daran gewöhnen, dass mir viele Dinge noch nicht liegen und ich noch etwas Eingewöhnung brauche. Jedoch habe ich dank des tollen Teams recht schnell an alles gewöhnt und wurde sehr gut eingearbeitet. Es erfordert jedoch auch viel Eigeninitiative und Nachlesen nach dem Arbeit.

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?

7:00: Frühbesprechung dort werden Patientin von dem diensthabenden Arzt vorgestellt, die in der Nacht aufgenommen wurden und über Patienten auf Station gesprochen, bei denen es in der Nacht zu Komplikationen gekommen ist.Anschließend geht jeder auf seine Stationen und macht die Visite. Ich bin auf der Normalstation ca. 40 Betten. Wir haben die Station in zwei Hälften geteilt, jede Hälfte wird von einer PA und einem Assistenzarzt betreut. An Wochenenden bei Krankheit oder Urlaub eines Assistenzarztes mache ich die Visite alleine. Dienstags haben wir zusätzlich noch Oberarzt und Donnerstags Chefarzt-Visite.

8:15-9:15: Anschließend treffen wir uns alle im Besprechungsraumraum wieder. Dort werden nun alle Patienten (Intensivstation, Privatstation, IMC und Normalstation) besprochen. Die Besprechung finde ich sehr wichtig, da jeder seine Meinung/Idee zu allen Patienten sagen kann. Ebenfalls können alle Fragen zu „eigenen“ Patienten geklärt werden. Die Besprechung ist auch immer etwas Fortbildung von Seitens unseres Chefarztes, wenn man etwas nicht versteht oder nicht weiß wird einem alles geklärt, ohne das man Angst haben muss „schief“ angeschaut zu werden, weil man etwas nicht weiß oder manche Dinge nicht so gut gelaufen sind.

9:15-12:00: Anschließend geht entweder der Assistenzarzt in den Op und ich gehe auf Station oder andersrum. Auf Station beginnt nun die eigentliche Arbeit: Visitendokumation, Entlassbriefe korrigieren , Konsile schreiben Untersuchungen anfordern, Nadeln legen, Verbände machen, Drainagen ziehen etc. Mit den Physiotherapeuten führe ich auf Station ebenfalls eine kleine Besprechung über die Patientin durch, z.B nach Unfallchirurgischen-Op´s wie viel sie belasten dürfen. Die Physiotherapeuten geben mir ebenfalls ein Feedback wie gut die Mobilisation läuft und ob eine Entlassung nach Hause (dies gilt für die älteren Patienten) möglich ist oder nicht. Zudem stehe ich in engem Kontakt mit dem Sozialdienst, Rehaanträge, KZP-Anträge Hilfsmittel für zu Hause werden von mir ausgestellt. Des weiteren werden Patienten und Angehörigengespräche geführt.

12:00-15:30: Nach Erledigung der Stationsarbeiten schaue ich mir die Ergebnisse der Blutentnahmen, CT/MRT Gastro/Kolo Befunde an. Viele Dinge darf ich alleine entscheiden und Medikamente absetzten oder neu ansetzen, z.B bei Analgetika oder Antibiosen. Zeigten die Laborergebnisse jedoch z.B einen drastischen Anstieg der Entzündunsgwerte an, halte ich vorher immer Rücksprache mit einem Chef -oder Oberarzt um das weitere Procedere zu besprechen, ebenfalls wenn bei der Diagnostik ein auffallender Befund rauskommt. Anschließend bespreche ich mit den Patienten die Ergebnisse und das weitere Procedere. Danach bereite ich Arztbriefe für den nächsten Tag vor, zwischendurch werden meist noch eine paar Angehörigen Gespräche geführt und Nadeln gelegt.

Welche Aufgaben führst du im Op aus?

Ein und Ausschleusen des Patienten, lagern, steril abwaschen und abdecken. Bei den Op´s selbst bin ich meist die 1. Oder 2. Assistenz. Je nach Operateur darf ich auch zunähen. Kleinere Eingriffe wie VAC-Wechsel, Abzessausräumung dürfen wir als Operateur, natürlich mit einem Oberarzt als Assistent, durchführen. Hier gehört dann auch das anschließende kordieren und Op-Bericht schreiben dazu. Am besten gefällt mir die Arbeit auf Station, die Enge Kommunikation mit Patienten, Schwestern, Physiotherapeuten liegt mir sehr und ich denke hier liegen auch die stärken unseres Berufsbildes. Gerade für das Pflegepersonal ist es oftmals leichter mit einem PA zu reden, da das Gespräch wie es bei vielen Ärzten leider ist nicht von „oben herab“ stattfindet.

Welche Aufgaben erledige ich über den Alltag hinaus?

Neben den täglichen Aufgaben bin ich für das Qualitätsmanagement aller Hüftgelenksnahen-Frakturen zuständig, die QM-Module werden von mir ausgefüllt. Das Krankenhaus ist ebenfalls Mitglied des Endoprothetik-Zentrums, hier bin ich eine sogenannte Prüfungskoordinatoren. Zu meinen Aufgaben zählen hier Dokumentation vieler Dinge in eine bestimmte Exceltabelle, sowie Überprüfung der Patienten Akte auf Vollständigkeit. Dienstags findet bei uns die Onko-Konferenz statt, hier stelle die Patienten vor, anschließend Eintragung ins Krebsregister.

Welche Qualifikation sind deiner Meinung nach wichtig für eine PA?

Ein hohes Maß an Selbständigkeit, Teamfähigkeit und Empathie sind für mich die wichtigsten Dinge. Ebenfalls sollte man auch nach dem Studium bereit sein sich neues Wissen anzueignen.

Strebst Du einen Masterstudiengang an ?

Bisher nicht, zur Zeit strebe ich eher Zusatzqualifikationen an wie z.B Wundexpertin an. Dennoch bin ich von einem Master nicht abgeneigt, wenn er einen Profit für meine jetzige Arbeit darstellt.

Hast du eine Zukunftsvision für das Berufsbild?

Meine Zukunftsvision für die nächsten 10 Jahre ist, dass ein PA aus dem Krankenhausalltag nicht weg zu denken ist. Ebenso, dass alle Berufsgruppen im Gesundheitswesen den Beruf kennen. Ich hoffe auch, dass die PA´s es in die Praxen schaffen.

Welche Empfehlung kannst Du PA-Student*innen geben?

Man kann sein Aufgabenfeld als PA sehr gut einrichten, wenn man viel Eigeninitiative zeigt. Man kann sich eigene Aufgabenbereiche schaffen, sodass hier aus der Abteilung nicht mehr weg zu denken seid. Bleibt am Ball es lohnt sich!Ich könnte mir zur Zeit keinen besseren Jobs vorstellen!

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