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Was macht eigentlich ein Physician Assistant in …. der Notaufnahme ?

Kevin war so nett und hat sich unseren Fragen gestellt. Das Interview über seinen Berufsalltag findet Ihr unten.Fragen zum Interview oder an Kevin könnt Ihr gerne in die Kommentare schreiben !

Warum hast Du Dich für das Studium zum Physician Assistant entschieden?

Einen klassischen PA Bachelor habe ich nicht absolviert.Ich habe Sanitäts- und Rettungsmedizin B. Sc. studiert, ein Aufbaustudiengang für Rettungsassistenten und habe dabei ein Diploma Supplement erhalten, was mir ein PA Studium-Äquivalent bescheinigt. Mein berufliches Hauptziel war und ist es, einfach ein guter Notfallmediziner zu werden. Dafür war ein Studium in meinen Augen unerlässlich. Durch die PA Tätigkeit kann ich wertvolle innerklinische Erfahrung dafür sammeln.

An welcher Universität/Fachhochschule hast Du studiert und warst Du zufrieden mit dem Studium?

Ich habe an der Deutschen Hochschule für Gesundheit und Sport studiert. Das war wahrscheinlich insgesamt die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Es war eine harte Zeit mit vielen Nebenjobs und knapp vier Jahren ohne Freizeit, da die Studiengebühren mir jeden Cent abverlangt haben. Aber ich habe unglaublich viel lernen dürfen.

Fühltest Du Dich gut vorbereitet auf Deine jetzige Tätigkeit?

Nachdem das Studium nicht direkt auf den PA abzielte, hatte ich zunächst Sorge, dass ich große Defizite haben würde. Im Berufsalltag stellte sich jedoch rasch heraus, dass ich mir umsonst den Kopf zerbrach. Das explizit notfallmedizinische Studium bereitete mich sehr gut auf den Berufsalltag in meiner jetzigen Stelle vor. Ich arbeite seit 2018 in einer zentralen Notaufnahme eines Kreiskrankenhauses auf Seiten der Inneren Medizin. Neben dem Grundstudium halfen mir allerdings auch etliche Weiterbildungen, um mein Arbeitsspektrum zu erweitern.Diverse „Buchstabenproviderkurse“ (ACLS, AMLS usw.), verschiedene internationale Paramedic Prüfungen/ Zertifikate und nicht wenige Sono-Untersuchungskurse mit anschließenden Praktika in meiner Freizeit haben dazu beigetragen, dass ich im Berufsalltag mehr Verantwortung als ursprünglich gedacht übernehmen darf. Ohne diese wäre mein Aufgabenspektrum deutlich kleiner.

Wie kamst Du zu Deiner aktuellen Stelle und wie gelang Dir der Start ins Berufsleben?

Ich hatte während dem Studium als Werkstudent in einer internistischen Klinik bereits alsPA i. A. gearbeitet und bin dann mehr oder weniger ausversehen pflegerische, kommissarische Leitung der Endoskopie geworden. Ich wollte eigentlich Notfallmedizin betreiben und als ein Kommilitone davon berichtete, dass die ärztliche Leiterin der ZNA, in der ich jetzt arbeite, PAs etablieren wollte, habe ich mich spontan beworben. Wir kamen glücklicherweise sofort auf einen Nenner und nach einem persönlichen Bewerbungsgespräch unterschrieb ich den Vertrag.Der Anfang war ehrlich gesagt sehr kräfteraubend. Ich war aus meiner Heimat in ein anderes Bundesland gezogen und zudem der erste PA in dieser Klinik. Noch dazu hatte ich kaum Berufserfahrung im ärztlichen Dienst.Ich wurde sehr intensiv von meiner Oberärztin eingearbeitet und bekam einiges an „Hausaufgaben“. Bis ich die klinikinternen Standards sicher und selbstständig umsetzen konnte vergingen tatsächlich noch einige Monate. Ich fühlte mich etwas wie ein Pionier und wollte alle vom Konzept des PAs überzeugen. Dabei hatte ich von meinen ärztlichen Kollegen von Anfang an vollste Rückendeckung. Ich war relativ rasch ein Kollege wie jeder andere auch.In Hinblick auf die Zusammenarbeit mit den pflegerischen Kollegen war es zu Beginn nicht immer einfach. Es gab jedoch immer wieder Schlüsselmomente, in denen ich beweisen konnte, dass ich meinen weißen Kittel nicht im Lotto gewonnen hatte.Ich musste mir also den fachlichen Respekt erst erarbeiten. Mittlerweile gibt es allerdings keinerlei Schwierigkeiten mehr. Ich schätze jeden einzelnen Kollegen aus der Pflege sehr und bin guter Dinge, dass dies auf Gegenseitigkeit beruht.

Wie sieht Dein normaler Arbeitsalltag aus?

Ich arbeite aktuell 60% in Teilzeit, immer in 5 Tage Blöcken von Montag bis Freitag, im Schnitt zwei Wochen im Monat.Dabei beginnt mein Arbeitstag um 08:00Uhr und endet um 17:00Uhr.In der Notaufnahme sind wir im Frühdienst insgesamt zwei Internisten. Mein Dienstplan ist mit dem meiner Oberärztin synchronisiert, sodass ich entweder mit ihr zusammen die ZNA besetze oder als dritter Mann zusätzlich eingesetzt werde. Sie wird dadurch entlastet und kann ihrer Büroarbeit oder der Notarzttätigkeit nachgehen.Dementsprechend gleicht mein Aufgabenkatalog mehr oder weniger dem eines Assistenzarztes. Heißt, ich anamnestiziere und untersuche den Patienten, führe Sonos/ Echos durch, befunde vorläufig radiologische Bildgebungen und EKGs, schreibe Notfallberichte und setze die Stationskurven mit meinem Behandlungsvorschlag auf.Natürlich bespreche ich meine Patienten mit meiner Oberärztin, sie trägt die letztliche Verantwortung und überprüft jede meiner Kurven.Besonders Spaß machen mir die Stroke Patienten, die wir weitestgehend teleneurologisch abarbeiten. Meistens ist eine Stroke Aufnahme sehr zeitaufwendig, insbesondere auch Patienten im sogenannten Lysezeitfenster, daher übernehme ich das priorisiert. Nachdem ich mehr oder weniger jeden Lysekandidaten initial manage, kann ich mittlerweile auf ein großes Erfahrungsspektrum in diesem Bereich zurückblicken. Ferner stehen mir unsere Konsiliarneurologen als Mentoren zur Seite.Das macht mich sehr stolz, da wir als zertifizierte Stroke Unit somit eine sehr hohe Qualität anbieten können.Eine Besonderheit im Vergleich zu vielleicht anderen PA Stellen ist meine Rolle im Schockraum.Aufgrund meiner intensiven, praktischen und notfallmedizinischen Ausbildung werde ich als Schockraumteamleader eingesetzt, teilweise auch als Teamleader im Reateam.Alternativ werde ich bei instabilen Patienten als Sonographer eingesetzt. Naja, Übung macht den Meister und ich mache seit Jahren den lieben langen Tag nichts anderes als Akutmedizin.

Konntest Du die praktischen Fähigkeiten bereits vor Antritt der Stelle oder wurden sie Dir beigebracht?

Ich vergleiche Medizin immer mit Autofahren. Erst machst du den Führerschein (das Studium) und dann lernst du erst Autofahren. Gleiches in meinem Job. Bis auf die Basics wie Viggos legen oder Ähnliches konnte ich praktisch gleich null. Pleura- oder Aszitespunktionen, sonographiegestützte Gefäßpunktionen oder Lumbalpunktionen musste ich erst lernen.Auch die Sonographie lebt ja von der Erfahrung. Es braucht vermutlich noch mind. zehn Jahre bis ich mich für einen moderaten Sonographer halten kann. Die praktischen Fähigkeiten bzgl. körperlicher Untersuchungstechniken, alle üblichen Handgriffe bei der Behandlung von Notfallpatienten oder die Führungsskills, brachte ich aus den diversen Paramedic Ausbildungen und meiner Rettungsdiensterfahrung mit.

Welche Qualifikationen sind Deiner Meinung nach wichtig für einen PA?

Schwierig pauschal zu beantworten. Das hängt sehr stark von dem Einsatzgebiet des jeweiligen PAs ab. Ich denke Erfahrung, gestützt auf einem soliden theoretischen Fundament, ist das A und O um ordentliche Arbeit leisten zu können. Daher bin ich immer ein Fan davon nicht einfach z.B. einen Sonokurs zu machen, sondern das Gelernte rasch in die Praxis umzusetzen und mit einem Mentor seiner Seite zu verinnerlichen.Wenn ich mich für einen Softskill entscheiden müsste, ist es daher Leidenschaft für das jeweilige Fachgebiet. Dann wird man auch gut in seinem Job, egal was man tut.

Gibt es Aufgaben die Du außerhalb deiner Routinetätigkeiten erledigst?

Ich hatte ja bereits die Zuckerl meines Aufgabenfeldes beschrieben. Außerhalb der Routine nehme ich die Praktikanten aus dem Rettungsdienst und die Famulanten an die Hand und kümmere mich um das Teaching. Ansonsten könnte ich jetzt nur von eher langweiligen Bürotätigkeiten berichten. Beispielsweise erneuern wir die zurzeit die ZNA internen SOPs.

Wie kam das Berufsbild bei anderen Berufsgruppen an?

Wie bereits beschrieben war die Eingliederung in das ärztliche Kollegium gar kein Problem.Ich glaube ein Aspekt, warum es etwas dauerte, bis ich mit allen Pflegekräften warm geworden bin, ist dieser Satz, den man immer wieder in Bezug auf den PA hört:Er sei „zwischen Pflegekräfte und Ärzteschaft“ angesiedelt. Vielleicht, weil die meisten PAs auch ursprünglich aus der Pflege kommen.Ich weiß nicht, inwieweit das auf andere PAs zutrifft, bei mir trifft das kein bisschen zu.Ich bin im ärztlichen Dienst angestellt und habe mit pflegerischen Tätigkeiten gar nichts am Hut. Das könnte ich auch teilweise gar nicht. Da fehlt mir offen gestanden das Know How/ die Ausbildung. Jedenfalls dauerte es etwas, bis dieser Fakt zu jedem Kollegen durchgedrungen war.

Strebst Du einen Masterstudiengang an?

Ja, ich studiere bereits zwei Master parallel. Zum einen Gesundheitswissenschaften mit Schwerpunkt Management im Rettungswesen. Hierfür muss ich nur noch meine Thesis zu Ende bringen. Damit möchte ich mir ein Hintertürchen zu einem Bürojob offen lassen.Und zum anderen möchte ich mich notfallmedizinisch noch weiterentwickeln und besser werden. Darum studiere ich noch einen Teilzeitstudiengang im Ausland im Bereich der Akutmedizin.Außerdem wartet mein Doktorvater in spe auf meinen ersten Master. Er hätte einiges zu tun für mich und ich musste coronabedingt meine Abgabe nach hinten verschieben. Demnach promoviere ich kommendes Jahr im Bereich der Humanwissenschaften.

Hast Du eine Zukunftsvision für das Berufsbild?

Ich würde mir eine bessere rechtliche Grundlage wünschen. Evtl. angelehnt an einige Bundesstaaten der USA beispielsweise. Es ist klar, dass ein PA niemals einen Arzt vollständig und gleichwertig ersetzen kann oder soll. Aber der demographische Wandel und die Landflucht bleiben in Deutschland auch nicht aus und es müssen Lösungen gefunden werden. Ein PA auf Masterniveau mit staatlicher Prüfung und die Einführung einheitlicher Fach PAs wären, meiner Meinung nach, ein ausreichender Standard, um die Substitution einiger ärztlicher Aufgaben zu ermöglichen. Eine medizinische Versorgung auf dem Land und in der Fläche kann, eben zu sehen in einigen Staaten der USA, auch durch nichtärztliches Personal geleistet werden. Politisch muss sich da einiges tun, vermutlich wird es sich in Deutschland jedoch sehr träge entwickeln.

Welche Empfehlung kannst Du PA-Student*innen geben?

Zunächst sollte man sich, gerade als Schulabgänger, genau überlegen, ob das PA Studium das Richtige für einen ist. Denn es ist aus meiner Sicht in keinem Fall ein Medizinstudium-Ersatz. Ich für meinen Teil wollte nie Arzt werden und bin sehr glücklich damit, PA zu sein. Ich bin mir jedoch sicher, dass dieses Glücksgefühl nicht vorhanden wäre, wenn der PA so etwas wie ein Trostpflaster für mich wäre. Es sind tatsächlich zwei verschiedene Berufe.Wenn man das für sich geklärt hat, dann steht einem tollen Job nichts im Weg. Aktuell ist dieses Berufsbild noch im Kommen, das sollte man als Chance sehen. Angehende PAs können ihren Arbeitsplatz sehr individuell gestalten. Man betreibt Pionierarbeit und das ist nicht nur aufregend, sondern auch sehr wertvoll. Also lernt was das Zeug hält, zwingt euch aus eurer Komfortzone und ihr könnt mit euren individuellen Skills eure eigene Traumstelle kreieren. Seid ruhig ein bisschen frech und zeigt Initiative, dann wartet auf euch ein erfüllendes Berufsleben.

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