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Was macht eigentlich ein Physician Assistant in … der Industrie?

Was macht ein Physician Assistant in der Anästhesie

Ferdinand hat sich nach einigen Jahren als Physician Assistant im Krankenhaus dazu entschieden in die Medizintechnik Industrie zu wechseln. Wie es dazu kam, welche Aufgaben er dort übernimmt und wie er trotzdem noch bei Operationen tätig ist, erfahrt Ihr in unserem Interview.

Hallo Ferdinand, stell Dich doch gerne kurz vor.

Mein Name ist Ferdinand Kunick. Ich bin 29 Jahre alt und komme aus Hamburg. Ich habe vor dem Studium eine Ausbildung zum OTA gemacht und so den Zugang zum OP, in meinem Fall zur Herzchirurgie, bekommen.

Warum hast Du Dich für das Studium zum Physician Assistant entschieden?

Als OTA hat es mir sehr viel Spaß gemacht, nah an den Operationen dran zu sein und bei diesen mitzuarbeiten. Viele Dinge blieben mir allerdings verwehrt, die mich darüber hinaus interessierten: Wundverschlüsse, Assistenz bei OPs, etc. Deshalb habe ich mich für das Studium entschieden, als Möglichkeit der beruflichen und persönlichen Weiterentwicklung

An welcher Universität/Fachhochschule hast du studiert und warst Du zufrieden mit dem Studium?

Die Steinbeis Hochschule Berlin bzw. die Akademie für Kardiotechnik bot den Studiengang an, und somit habe ich zum Teil dort und in Hamburg studiert. Mir gefiel der Wechsel an Themen und praktischen Bezügen, obwohl die Zeitpunkte besser hätten gewählt werden können. Das ist aber wohl auch sehr subjektiv. Letztendlich bin ich aber zufrieden mit dem Studium, da ich sehr viel gelernt habe und gern an die Zeit zurückdenke.

Wie kamst Du zu Deiner aktuellen Stelle und wie gelang Dir der Start ins Berufsleben?

Da ich bereits während des Studiums als „PA im Studium“ arbeiten konnte, hat sich nichts Grundlegendes geändert. Kommilitonen von mir hatten es da etwas schwerer, eine passende Stelle als PA zu finden. 

Meine aktuelle Stelle kam eher auf mich zu: Ein Headhunter hat mich bei LinkedIn gefunden und mich gefragt, ob ich mich auf die Stelle bewerben wollen würde. Für mich hieß das, meinen Job im Krankenhaus aufzugeben, und für die Medizinprodukte-Industrie zu arbeiten. Auf der anderen Seite reizte mich die neue Herausforderung, große Eigenverantwortung, die Reisetätigkeit und ein abwechslungsreicher Arbeitsalltag.

Wie sieht Dein normaler Arbeitsalltag als PA in der „Industrie“ aus?

Meine Arbeitszeiten sind sehr unterschiedlich, da ich Vertrauensarbeitszeit habe. Das hat den Vorteil, dass ich mal Vormittags einen privaten Termin wahrnehmen kann und dafür Nachmittags länger arbeite. Im Gegenzug kommt es aber auch häufiger vor, dass ich bis spät noch an einem dringenden Projekt arbeite. Im Home-Office entscheide ich selbst, wann ich anfange und aufhöre, und das bringt seine ganz eigenen Herausforderungen der Organisation und Selbstdisziplin mit sich. 

Zu meinen täglichen Aufgaben gehört unter anderem Kundenkontakt durch Mails und Telefonate, Planung und Durchführung von Dienstreisen und (prä-)klinischen Trainings. Mein Einsatzgebiet ist der gesamte EMEA-Wirtschaftsraum, welcher Europa, Middle East und Afrika beinhaltet. Für die Kongresse geht es dann mal nach Dubai, Leuven oder Belfast. Besonders gefällt mir die Arbeit mit Kunden und Kollegen verschiedenster Nationalitäten und Kulturen, die Kommunikation auf Englisch und der stetige Austausch über Landesgrenzen hinaus. Und die Arbeit in OPs der verschiedenen Länder ist auch enorm vielfältig und spannend.

Du arbeitest also auch im OP? Welche Aufgaben übernimmst Du dort?  

Bei klinischen Einsätzen gilt es dann, das medizinische Personal (PAs, ÄrztInnen, SCPs) bei den Herz-Operationen zu unterstützen und ihnen beispielsweise die endoskopische Venenentnahme beizubringen. Hierbei bin ich der Ansprechpartner und allein verantwortlich für den Erfolg der klinischen Einführung unserer Produkte. Diese Tätigkeit bildet meinen Kernbereich und es ist auch der Teil, der mir am meisten Spaß macht.

Konntest Du die praktischen Fähigkeiten bereits vor Antritt der Stelle oder wurden Sie Dir beigebracht?

Ich habe bereits vorher über 3 Jahre Venen endoskopisch entnommen und musste mich deshalb nur auf das Produkt meiner Firma einstellen. Schwierig war jedoch, dies während Corona zu organisieren. Durch die Reisebeschränkungen und Zutrittsverbote für externes Personal, begann mein klinisches Training etwas verzögert. Mittlerweile bin ich aber guter Dinge und habe selbst bereits viele klinische und nicht-klinische Trainings erfolgreich organisiert und durchgeführt.

Mein nächstes Ziel ist das Erweitern meines Tätigkeitsfeldes auf die Entnahme der A. radialis, was ich im Verlauf diesen Jahres angehen werde.

Welche Qualifikationen sind Deiner Meinung nach wichtig für einen PA?

Das hängt meiner Meinung nach stark vom Einsatzgebiet und der Motivation ab. Grundsätzlich ist eine Spezialisierung auf den jeweiligen Bereich sinnvoll und Fortbildungen sollten in regelmäßigen Abständen das Wissen erweitern. Auch zusätzliche Qualifikationen wie Echokurse, Notfallmanagement, Nahtkurse o.Ä. sind sehr zu empfehlen und können bei der Bewerbung auf eine neue Stelle den Unterschied machen. 

Gibt es Aufgaben die Du außerhalb deiner Routinetätigkeiten erledigst?

Wenn es die Zeit zulässt, produziere ich gern Lerninhalte für Kunden oder meine Kollegen, oder helfe bei der Organisation von Events. Auch habe ich bereits zweimal Studenten in den Grundlagen der endoskopischen Venenentnahme unterrichtet, was ich mit praktischen Übungen unterstützt habe. Dies ist mir ein besonderes Anliegen, da die Studenten meiner Meinung nach, Einblicke in möglichst viele verschiedene Bereiche erhalten sollten, wenn möglich, aus erster Hand.

Wie kam das Berufsbild bei anderen Berufsgruppen an?

Im Krankenhaus gab es unterschiedliche Reaktionen, wobei diese meist positiv ausfielen. Hier sind Aufklärung und Gewöhnung ein großer Faktor: Wenn man ins Team als PA einsteigt und sich direkt so etablieren kann, die Aufgaben klar definiert sind und man sich beweisen kann, sollte es wenig Probleme geben. Schwieriger ist es, nach eigener Erfahrung, wenn man sich aus einem anderen Berufsbild heraus entwickelt und mit den vorherigen Kollegen weiter zusammenarbeitet. Hier gab es ab und zu Missverständnisse und Unklarheiten über das Einsatzgebiet als PA, die Befugnisse und die Qualifikation. Eine klare Kommunikation der verantwortlichen Vorgesetzten ist hier sehr hilfreich.  

Strebst Du einen Masterstudiengang an?

Im Moment nicht, da mich meine Tätigkeit vollständig auslastet. Sollte sich dies aber in der Zukunft ändern, könnte ich es mir durchaus vorstellen, es wieder berufsbegleitend anzugehen.

Hast Du eine Zukunftsvision für das Berufsbild? 

Für die PAs in Deutschland wünsche ich mir, dass sich das Berufsbild weiter etablieren und professionalisieren kann. Durch Kongresse, Publikationen und Austausch mit der Pflege und Ärzteschaft sollte eine gute Zusammenarbeit ermöglicht werden. Die Vorteile für beide Seiten im Hinterkopf führen zu einer symbiotischen Koexistenz, statt eine Konkurrenz oder Feindseligkeit zu praktizieren. 

Welche Empfehlung kannst Du PA-Student*innen geben?

Seid bereit, für alle Herausforderungen, die der Beruf mit sich bringt: Neben den offensichtlichen medizinischen Problemen werden auch zwischenmenschliche Konflikte nicht vermeidbar sein. Mit Engagement und Eigeninitiative lässt sich aber ein toller Job mit einem spannenden Tätigkeitsfeld und guter Kollegialität schaffen. Nutzt das Studium, um euch zu orientieren und so viel wie möglich zu lernen. Fragt eure Kommilitonen, Dozenten oder Kollegen, um die Interessen, die Ihr neu entdeckt, weiter zu verfolgen und zu vertiefen.

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