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Was macht eigentlich ein Physician Assistant in … der Kinderchirurgie

Hannah war so nett und hat sich unseren Fragen gestellt.

Warum hast Du Dich für das Studium zum Physician Assistant entschieden?
Ich habe schon sehr früh gewusst, dass ich im medizinischen Bereich arbeiten möchte. In der 11. Klasse habe ich das erste Mal ein Praktikum in einer größeren Klinik gemacht und dort auch zum ersten Mal im OP gestanden. Ich war absolut fasziniert und habe die Entscheidung gefällt, in der Chirurgie arbeiten zu wollen. Da kam der Studiengang „Medizinische Assistenz – Chirurgie“ in Düsseldorf wie gerufen und war für mich die perfekte Chance, meinem Wunsch nachzukommen.

An welcher Universität/Fachhochschule hast du studiert und warst Du zufrieden mit dem Studium?
Ich habe an der Fliedner Fachhochschule in Düsseldorf studiert und war insgesamt absolut zufrieden.

Fühltest Du Dich gut vorbereitet auf Deine jetzige Tätigkeit?
Insgesamt ja. Trotzdem glaube ich, dass man nie 100%ig vorbereitet sein kann. Es wird immer Momente im klinischen Berufsalltag geben, in denen du ins kalte Wasser geworfen wirst. Nach dem Studium habe ich die ersten Jahre in einer unfallchirurgischen Abteilung gearbeitet und mich dann für die Kinderchirurgie entschieden. Ein 180-Grad-Wechsel also… Du kannst dich natürlich theoretisch auf eine Fachrichtung vorbereiten, aber praktisch eben nicht. Hier gilt nur: learning by doing! Ich arbeite jetzt seit über einem Jahr in dieser Abteilung und trotzdem gibt es für mich immer wieder Neues zu lernen

Wenn nein, welche Inhalte hättest Du Dir noch gewünscht?
Da wir 2013 die Ersten waren, die mit diesem Studiengang an der Fliedner Fachhochschule begonnen haben, war der Start etwas holprig. Von anderen Studenten, die in den nachfolgenden Jahren starteten, habe ich bereits gehört, dass sich Vieles geändert und verbessert hat. Dazu gehören grundlegende Inhalte von Anatomie, Physiologie und naturwissenschaftlichen Grundlagen.

Wie kamst Du zu Deiner aktuellen Stelle und wie gelang Dir der Start ins Berufsleben?
Der Start ins Berufsleben gelang mir gut. Ich habe recht schnell eine Stelle gefunden und mich dort gut eingefunden. Mit der Zeit merkte ich
aber, dass mir die Fachrichtung nicht 100%ig gefällt und habe angefangen mich umzusehen. Durch eine Initiativbewerbung und etwas Glück habe ich schließlich die Stelle in der Kinderchirurgie bekommen.

Wie sieht Dein normaler Arbeitsalltag aus?
Mein Arbeitstag beginnt um 8 Uhr und endet regulär um 16:30 Uhr. Einen „normalen“ Arbeitsalltag zu skizzieren ist schwierig, denn jeder Tag in der Klinik ist anders. Trotzdem gibt ist natürlich Dinge und Aufgaben, die täglich anfallen. Dazu gehört das Begleiten der Visite, das Schreiben der Arztbriefe, die Durchführung von Wundkontrollen und Verbandswechseln, die OP-Assistenz, das Durchführen von Blutentnahmen und die Zugangsanlagen sowie die OP-Vorbereitung der Kinder (Aufklärung vorbereiten, Kinder messen und wiegen, Abstriche entnehmen). Seit einiger Zeit habe ich darüber hinaus noch die OP-Planung für Kinderchirurgie und Kinderurologie übernommen.

Du arbeitest also auch im OP? Welche Aufgaben übernimmst Du dort?
Ja, ich arbeite auch im OP und übernehme dort die 1. und 2. Assistenz bei Eingriffen. Hinzu kommt auch die entsprechende Vorbereitung der Kinder auf dem OP-Tisch: also Lagerung, OP-Feld-Desinfektion und steriles Abdecken. Genauso wie die Vorbereitung gehört aber auch nach der OP die Hilfe beim Ausschleusen bzw. Umlagern der Kinder ins Bett zu meinen Aufgaben (bei den ganz Kleinen ist das natürlich sehr leicht ).

Konntest Du die praktischen Fähigkeiten bereits vor Antritt der Stelle oder wurden Sie Dir beigebracht?
Vieles habe ich bereits in meinen Praxiseinsätzen während des Studiums gelernt. Tatsächlich wird einem aber das Allermeiste im Alltag beigebracht (oder man schaut es sich ab ;)). Wie eben schon erwähnt hatte ich vor Antritt der Stelle in der Kinderchirurgie nie in einer kinderchirurgischen Abteilung gearbeitet. Da liegt es nahe, dass ich mir viel erarbeiten und erschließen musste. Anfänglich ist man nach einem Verbandswechsel oder einer Blutentnahme bei einem schreienden Säugling schweißgebadet. Gott sei Dank bessert sich das etwas mit der Zeit!

Welche Qualifikationen sind Deiner Meinung nach wichtig für eine*n PA?
Das ist sehr individuell und auf die jeweilige Fachrichtung abzustimmen, finde ich. Für einige ist sicherlich ein Sono-Kurs sinnvoll, andere brauchen eher den Strahlenschutzkurs für ihre tägliche Arbeit. Es gibt sehr unterschiedliche Anforderungen und Interessen.

Wie kam das Berufsbild bei anderen Berufsgruppen an?
Insgesamt gut. Natürlich gab es anfänglich Stirnrunzeln darüber, wer wir sind und was wir dürfen und können. Ich denke aber, dass das absolut normal ist, wenn in einem starren und hierarchischen System wie einem Krankenhaus plötzlich eine ganz neue Berufsgruppe auftaucht. Unklarheiten und Konflikte wegen unseres Berufsbildes waren nur mit vielen, vielen Gesprächen und Erklärungen zu lösen. Das würde ich auch jedem „frischen“ PA raten: Sucht das Gespräch bei Unklarheiten, beantwortet offene und immer wiederkehrende Fragen geduldig und steht für unser Berufsbild ein.

Strebst Du einen Masterstudiengang an?
Nein, bisher reizt mich der Master nicht. Dazu fehlt mir die Perspektive, wie sich mein beruflicher Alltag durch einen Master ändern bzw. verbessern würde.

Hast Du eine Zukunftsvision für das Berufsbild?
Ich denke, die Rolle des PAs wird in den nächsten 10 Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnen. Es zeichnet sich jetzt schon ein deutlicher Ärztemangel ab, der sich in den nächsten Jahren weiter verschärfen wird. Wünschenswert wäre es, wenn das Berufsbild noch stärker etabliert und anerkannt wird. Dazu gehört für mich zum einen die Wertschätzung, aber genauso die persönliche Förderung der Kompetenzen durch Vorgesetzte. Und wer weiß… vielleicht kann ein PA in 10 Jahren mit entsprechender Berufserfahrung und einem Aufbaustudium doch noch zu seiner Approbation kommen .

Welche Empfehlung kannst Du PA-Student*innen geben?
Schaut euch in euren Praxiseinsätzen so viele Fachrichtungen wie möglich an! Ich habe selbst in einem kleinen Haus gelernt und dort „nur“ 3 Fachrichtungen kennengelernt. Wenn die Möglichkeit besteht, schaut am besten überall einmal rein. Denn nur so kann man für sich herausfinden, welche Fachdisziplin einem wirklich gefällt und liegt.

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